Medien In Transit

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Vor dem Eingang der Uffizien in Florenz hängt eine Digitalanzeige, die der Besucherschlange die verbleibende Wartezeit anzeigt. In der Hochsaison kann diese bis zu vier Stunden betragen. Trotzdem ist der Großteil des Publikums, kaum ins Museum gelangt, damit beschäftigt, möglichst schnell die "„Highlights“" abzuhaken. Sechs Sekunden, so Reinhold Bidners Ausgangshypothese, verharrt der durchschnittliche Museumsbesucher vor einem Bild. In seinem Video In Transit greift er dieses Phänomen auf.

Am Anfang: Ein Bild an der Wand, vor dem ein offenkundig sich gerade ausruhender Mann sitzt. Langsam zoomt die Kamera in das Gemälde hinein, bis der Umraum verschwunden ist – und es beginnt sich zu bewegen: Das Mädchenporträt des französischen Klassizisten William-Adolphe Bouguereau verwandelt sich in Rubens‘ Porträt seiner Tochter, den kranken Bacchus von Caravaggio, dessen Medusenhaupt sowie zahlreiche andere Porträts aus dem Fundus der Kunstgeschichte bis wieder Bouguereaus Mädchen lächelnd aus dem Bild blickt, die Kamera sich entfernt und die veränderte –Umgebung filmt. Schlusseinstellung: Eine gähnende Frau.

Über dem Gemälde liegt während dieser virtuellen Museumswanderung ein Schleier von Tropfen; darauf spiegeln sich Bewegungen von ebenso müden wie hektischen Louvre-Besuchern. Durch diese formale Entscheidung hält Bidner den Betrachter auf Distanz, zieht aber auch eine zweite Ebene ein jene der Schauenden, die vor lauter Überforderung nichts sehen. Gemeinsam mit Richard Eigner, der den an- und abschwellenden Sound entwickelt hat, ist Reinhold Bidner eine sensible Studie über das Verhalten von Menschen im Museum des 21. Jahrhunderts gelungen. Ihr Publikum fordert sie zu einem intensiveren, konzentrierteren Blick auf die Kunst heraus.

(Nina Schedlmayer, Quelle: http://www.sixpackfilm.com/de/catalogue/show/1780)

Kategorien: Film und Video

Produktionsland

AT : Österreich

Produktionsjahr

2009

Ton

mit Ton

Format

4:3

Farbe

Farbe
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