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Blick-Wechsel
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Raidel, Ella
Die urbanen Choreografien erzählen zeitlose Geschichten. Die 24-Stunden-Bilder von Ella Raidel sind Videoaufnahmen von Orten, die per Zeitraffer mit der Digitalkamera erstellt wurden. Die 24 Stunden eines Tages entsprechen 24 Minuten Videomaterial. Die Bilder wurden in Intervallen von 30 Sekunden aufgenommen und zu 1-Minuten-Clips montiert. Die Kamera auf dem Stativ hinter der Fensterscheibe arbeitete automatisch.
Die Aufnahmen von Ella Raidel stammen hauptsächlich aus Städten, die sich im Prozess urbaner Veränderung befinden und es ist ein persönliches Archiv an Bildern der Gegenwart, Taipei, Shanghai, Linz, Berlin und Johannesburg. Es ist ein distanzierter Kamerablick, eine neutrale Einstellung zur Welt. Die Kameraposition ist statisch, zeichnet jedoch aus Einzelbildern das jeweilige 24-Stunden-Stadtbild auf eine Minute verkürzt ab. So stellt sich die Kamera unter das immer und überall herrschende und einfache Naturgesetz des Wechsels von Licht und Dunkel, um mit der Wirkung dieses Phänomens Atmosphäre zu erzeugen. Die bei dieser Stadt-Erforschung zufällig entstehenden, ästhetisch und inhaltlich eindrucksvollen Choreografien von Licht, Verkehr und Architektur wirken wie inszeniert. Sie haben jedoch ihren Ursprung im Programm der Kamera. Sie sind wie Postkartenmotive nicht Produkt der künstlerischen Gestaltung, sondern den Gesetzmäßigkeiten stereotyper Bildfolgen unterworfen. Die Änderungen vollziehen sich flüssig und ruhig. Sie bilden im Video eine sich ständig wiederholende Schlaufe, die eine universelle und zeitlose Geschichte erzählt. Die Künstlerin hat die Orte im Kontext von Reise, Wohnen und Arbeit erlebt. Ihr Blick aus dem Hotelzimmer, Schlafzimmer oder aus der Wohnung von Freunden fördert dank Zeitraffer Momente der Überraschung zu Tage. In der Aufnahme des GSW Gebäudes in Berlin wechselt die Farbe der Hausfassade in Sekundenbruchteilen. Die Skyline von Johannesburg wirkt entrückt, als handle es sich um die Aufnahme eines Architekturstadtmodells. Die Aufnahme aus dem Hotelzimmer in Shanghai lässt die chinesischen Schriftzeichen des Busbahnhofs hinter der verregneten Fensterscheibe reizvoll verschwimmen. Plötzlich kommt unerwartet ein Fensterputzer ins Bild, reinigt die Fensterscheibe und hinterlässt eine bessere Sicht auf die Stadt. Jeder Ausblick aus dem Fenster birgt auch eine malerische Qualität, die den rein dokumentarischen Wert der Aufnahme atmosphärisch anreichert.
(Text: Walter Eckermann)
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Urban choreographies tell timeless stories. Ella Raidel’s 24-hour images are video recordings of places created with a digital camera using time-lapse. The 24 hours of a day correspond to 24 minutes of video material. The images were captured at intervals of 30 seconds and edited into one-minute clips. The camera, positioned on a tripod behind a windowpane, operated automatically.
Ella Raidel’s recordings stem primarily from cities undergoing processes of urban transformation; they form a personal archive of contemporary images from Taipei, Shanghai, Linz, Berlin, and Johannesburg. The camera gaze is distanced, a neutral attitude toward the world. The camera position is static, yet it renders the respective 24-hour cityscape—condensed into one minute—from individual frames. In this way, the camera submits itself to the simple natural law that prevails always and everywhere: the alternation of light and darkness, using the effect of this phenomenon to generate atmosphere.
The aesthetically and conceptually striking choreographies of light, traffic, and architecture that arise coincidentally in this exploration of the city appear staged. Yet their origin lies in the program of the camera. Like postcard motifs, they are not the product of artistic composition but are subject to the inherent laws of stereotypical image sequences. The changes unfold fluidly and calmly. In the video, they form a constantly repeating loop that tells a universal and timeless story.
The artist experienced these places in the context of travel, living, and work. Her view from hotel rooms, bedrooms, or friends’ apartments, through time-lapse, brings moments of surprise to light. In the shot of the GSW building in Berlin, the color of the façade shifts within fractions of a second. The skyline of Johannesburg appears remote, as if it were a recording of an architectural model of the city. The view from the hotel room in Shanghai allows the Chinese characters of the bus station behind the rain-streaked windowpane to blur in a captivating way. Suddenly, a window cleaner unexpectedly enters the frame, cleans the windowpane, and leaves behind a clearer view of the city. Every view from the window also contains a painterly quality that atmospherically enriches the purely documentary value of the recording.
Text: Walter Eckermann