Kategorien
- Ausstellungsdoku
- Dokumentation Performance
- Film und Video
- Künstler*innengespräch
- Neues
- Programm
- Veranstaltungen
Blick-Wechsel
179 views
0 favorites
Raidel, Ella
Die große Erinnerungsmaschine verstärkt den Sog der Bilder. Ihre Bildsprache entwickelt Ella Raidel ausgehend von vorgefundenem Bildmaterial. Damit löst sie in ihrer Videoarbeit Trophäen des Alltags die Grenzen von Intimität und Voyeurismus auf. Menschen und Landschaften blitzen kurz auf, um dann im Sog der Bilder zu verschwinden. Das Video hält den Prozess fest, in dem Bilderketten aus den Maschinen von Großfotolaboren aus Österreich und Kanada am Ende zu Einzelbildern geschnitten werden. Durch die ruckartige Automatik des Fließbandes wird die Reihe der Einzelbilder zu kurzen Filmsequenzen. Irritation entsteht, wenn der Film bei einem x-beliebigen Foto unverhofft abstoppt.
Die Arbeit Trophäen des Alltags von Ella Raidel wird auf zwei Monitoren in einer parallelen Abfolge ein österreichisches und ein kanadisches Fotolabor präsentiert. Neben der kulturellen Differenz der Aufnahmen, Landschaften und Jahreszeiten läuft das Band in verschiedene Richtungen und verstärkt die Sogwirkung der Bilderflut. Im Prozess der Fotoentwicklung werden die Bilder auf langen Fotopapierschlangen belichtet, durch die Entwicklungsbäder geschleust und am Ende geschnitten. Die Bewegung der Aufnahmen wird durch die Maschine bestimmt, an der eine Angestellte arbeitet, die den Prozess von Zeit zu Zeit anhält und die Fotos verpackt. Im schnellen Tempo zieht die Maschine hunderte von Bildern aus privaten Welten von Menschen vorbei, mal in richtiger Lage und mal auf den Kopf gestellt, um bei einer Aufnahme abrupt zum Stillstand zu kommen. In der letzten Produktionsstufe werden die entwickelten Fotos in Richtung Schneidemaschine bewegt, begleitet vom Stakkato der Schneidevorrichtung. Die vorbei schießenden Fotos ergeben eine serielle Bildabfolge. Die Aufnahmen sind ohne direkten erkennbaren inneren Zusammenhang. Bilder von Babys und Kindern erscheinen als dominierende Sujets neben Motiven von Urlaub, Hochzeit und Weihnachtsfeiern. Die zufällige Auswahl und vermeintliche Neutralität der Bilder stammen für Raidel „aus einer einzigen großen Erinnerungsmaschine“.
(Text: Walter Eckermann)
Fotos, die privat aufgenommen wurden, werden in großen Fotolaboren gesammelt. Während der Entwicklung der Filme zu Fotomaterial werden sie aneinandergereiht und bilden eine Endlosschleife, die durch Entwicklungsflüssigkeiten sowie durch Trocknungs- und Schneidemaschinen geleitet wird. Die privaten Fotos der Menschen werden geordnet, obwohl sie eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Die Art des Betrachtens bleibt jedoch dieselbe. Die Fotos scheinen aus einer einzigen großen Erinnerungsmaschine zu kommen. Immer wieder taucht dasselbe Bild auf, aufgenommen von unabhängigen Individuen – eine kollektive Wahrnehmung der Welt. Im Fotolabor sind Schneidemaschinen die letzte Station, die die Bilder durchlaufen müssen. Die Videokamera ist auf ein Fotoband gerichtet – ein Abschnitt wird ausgewählt. Die Bilder rasen mit hoher Geschwindigkeit vorbei, doch irgendwie gelingt es dem Betrachter dennoch zu erahnen, was diese Fragmente eigentlich offenbaren wollen. Schließlich bleibt das Band bei einer zufälligen Aufnahme stehen. Die Abfolge mehrerer einzelner Bilder verwandelt sich in einen Filmstreifen.
Quelle: https://ellaraidel.com/?p=1191
-/-
Photographs that were taken in private practice are gathered in big photo labs. During the process of developing films into photo material, they are joined together and form an endless loop that is sluiced through developing liquids and through drying and cutting machines. People’s private photographs are ranked, although they do not actually have any relation to each other. However, the mode of seeing is still the same. The photographs seem to come out of one big memory machine. Again and again, the same picture returns, taken by independent individuals—a collective perception of the world. In the photo lab, cutting machines are the last station pictures have to pass. The video camera is directed towards a photo belt—a section is selected. Pictures rush past at high speed, but somehow the spectator is still able to sense what these fragments actually mean to reveal. Finally, the belt stops at one random shot. The series of several distinct pictures transforms into a film strip.
Source: https://ellaraidel.com/?p=1191